FE012 Der Balkan und Europa

Die Situation der Ex-jugoslawischen Länder und Albanien und ihr Verhältnis zur EU

Rüdiger Rossig Rüdiger Rossig
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Nach dem Ende des kalten Kriegs stand die Region von Jugoslawien und Albanien vor einer paradoxen Situation: obwohl man in der Zeit sich eine gewisse Neutralität sowie eine vergleichsweise große Nähe zum Westen erarbeitet hatte fand eine wirkliche Annäherung zur EU nicht statt während die anderen osteuropäischen Staaten reihenweise aufgenommen wurde. In der Folge zerfiel das Land in viele Teile und nahezu die ganze Region wurde durch jahrelange Krieg weit zurückgeworfen. Nur Slowenien und Kroatien haben den Weg in die EU gefunden, für den Rest hat sich Perspektivlosigkeit breitgemacht.

Wir sprechen mit Balkanexperte und Journalist Rüdiger Rossig über die Geschichte des Balkans seit den 90er Jahren, die unterschiedlichen Wege und Situationen der einzelnen Staaten und zahlreichen Rollen, die die EU im Balkan spielt.

10 Gedanken zu “FE012 Der Balkan und Europa

  1. Danke für den Podcast, leider fand ich ihn jedoch sehr unstrukturiert und durcheinander. Mit einem Tag Abstand ist leider nicht wirklich etwas hängen geblieben.

  2. Ich kann mich den bisherigen Kommentaren nur anschließen, die Folge war sehr interessant. Meinem bisherigen allerdings nur angelesenen Eindruck nach kamen mir die innerjugoslawischen ethnischen Spannungen im Vorfeld des Konflikts größer vor als geschildert. Umso schlimmer ist es natürlich, wenn diese bewusst von oben geschürt wurden.

    Ein kurzer Einwurf zu ethnischen Säuberungen: Die Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch ein Teil der europäischen Friedensordnung. Die räumliche Trennung verfeindeter Gruppen hat einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Pazifierung Europas geleistet, natürlich auch weil es außereuropäische Garanten der Neuordnung gab. Ein zweites Beispiel ohne die Massenflucht bzw. die Vertreibung von Arabern im israelischen Unabhängigkeitskrieg und die darauf folgende massenhafte Emigration von Juden aus arabischen Ländern wäre eine jüdische Mehrheitsgesellschaft in den von Israel beanspruchten Grenzen nicht realisiert worden. Ein drittes allerdings Gegenbeispiel: Bei der Desintegration des sowjetischen Staatenbundes gab es keine großflächigen ethnischen Säuberungen. Das Resultat sind russische Minderheiten, oft marginalisiert, die ob sie wollen oder nicht Teil einer russischen Einflussphäre sind und das damit einhergehende besondere Konfliktpotential. Die eingefrorenen Konflikte (abgesehen von Bergkarabach) im postsowjetischen Raum würde es ohne die russischen Minderheiten meines Erachtens so nicht geben. Es zeigt sich, wenn nationale oder ethnische Identitäten stark betont werden, können ethnische Säuberungen als eine freilich für die Betroffenen unter fast allen denkbaren Umsetzungen schreckliche Konfliktvermeidungsstrategie wirken. Die Schlussfolgerung kann also nur sein, dass man nationale und ethnische Identitätsanteile in ihrer Bedeutung zurücknimmt und verbindende Anteile betont. Solange das nicht geschieht kann eine Entmischung meines Erachtens aber das geringere Übel darstellen, freilich nur wenn die Grenzen zwischen den Gruppen respektiert werden.

    Die sogenannten sozialistischen Staaten sind natürlich grandios gescheitert, aber ich glaube und das schien sich hier am Beispiel Jugoslawiens abzuzeichnen, die Idee gemeinsam am Aufbau einer Gesellschaft zu arbeiten, hatte durchaus integrative Kraft, besonders solange noch nicht klar war, wie sehr man hinter dem eigenen Ideal zurückbleibt bzw. noch die Hoffnung bestand, es würde besser werden. Im Vergleich ich glaube die integrative Kraft der Idee eines geeinten Europas wird von den Befürwortern dieses Prozesses, zu denen ich mich auch zähle, tendenziell überschätzt. Ein großer Teil des Erreichten ist eben auch Realpolitik im nationalen Interesse oder neoliberale Marktpflege. Die europäische Integration ist ein Partikularinteresse, möglicherweise das einer Mehrheit, aber wenn es nicht gelingt diese Basis zu einer europäischen Öffentlichkeit zu formen, die sich als solche begreift und agiert, dann wird Europa weiter gemäß der nationalen Interessen seiner wichtigsten Akteure gelenkt werden, die hier und da mal ein bisschen Integration gewähren, je nachdem wie opportun oder notwendig es eben gerade ist.

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